Neophyten sind Pflanzenarten, die absichtlich oder unabsichtlich in ein Gebiet eingeführt wurden, in dem sie ursprünglich nicht heimisch waren und sich nach 1492 in einem neuen Gebiet etabliert haben. 1492 wurde gewählt, da mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus auch der Schiffsverkehr zunahm.
Die meisten Neophyten haben sich in unsere Natur eingefügt und breiten keine Probleme, bei den invasiven Neophyten ist das anders!
Invasive Neophyten sind nicht-heimische Pflanzenarten, die sich in einem neuen Gebiet stark ausbreiten und negative ökologische, wirtschaftliche oder gesundheitliche Auswirkungen haben. Sie wurden absichtlich oder unbeabsichtigt eingeführt und verdrängen oft heimische Pflanzen und Tiere.
Merkmale invasiver Neophyten sind:
Schnelles Wachstum und hohe Vermehrungsrate
Fehlende natürliche Feinde oder Konkurrenz
Anpassungsfähigkeit an verschiedene Umweltbedingungen
Bildung dichter Bestände, die heimische Arten verdrängen
Wir wollen wissen, wie betroffen wir im Waldviertler Hochland durch invasive Neophyten sind, um durch Bewusstseinsbildung und gezielte Maßnahmen die weitere Ausbreitung zumindest eindämmen zu können. Da invasive Neophyten oft vom Hausgarten in den Natur auswandern, gilt es hier besonders auf die Pflanzenwahl zu achten und Maßnahmen gegen eine solche Abwanderung zu setzen. Da dies oftmals schwierig ist, wäre die Entfernung dieser Pflanzen wohl das "einfachste" Mittel um die Ausbreitung zu verhindern.
Pflanzenbeschreibungen und mögliche Bekämpfungsmaßnahmen werden laufend ergänzt!
Zusätzlich sind bewusstseinsbildende Maßnahmen wie Vorträge, Wanderungen, Bekämpfungsaktionen und dergleichen in Planung, diese finden Sie zeitgerecht unter Veranstaltungen.
Drüsiges Springkraut
Das Drüsige Springkraut stammt aus dem westlichen Himalaya und wurde im 19. Jahrhundert als Gartenpflanze und vor allem als Bienenweidepflanze zu uns gebracht. Die Ausbreitung erfolgt über Samen (Schleudermechanismus der Samenkapseln). Die Pflanze ist einjährig und überwintert als Same.
Die Ausbreitungswege sind vor allem Fließgewässer, mit Samen versetztes Material, Materialtransporte sowie Bodenaushub, Kraftfahrzeuge, sowie unsachgemäße Entsorgung und die Ausbreitung vom Garten in die Natur durch Samen oder benutze Gerätschaften.
Probleme:
Die frostempfindliche einjährige Pflanze vermehrt sich sehr effektiv über Samen (bis zu 25.000 pro Pflanze).
Abgerissene oder lose Pflanzenteile können wieder bewurzeln.
Die Besiedelung der entsprechenden Standorte erfolgt sehr rasch.
Bildet sehr dichte Bestände, wird bis zu 2 m hoch
Massenbestände verdrängen durch Ihren raschen Wuchs heimische Arten
Nach dem Absterben der Pflanzen im Herbst ist die oberflächliche Durchwurzelung stark reduziert, was die Gefahr von Erosionen erhöht.
Maßnahmen und Bekämpfung
Wichtig ist die Frucht- und Samenbildung zu unterbrechen
Mähen kurz vor Blühbeginn möglichst bodennah
Achtung: Pflanzen können aus jedem Knoten austreiben und so weiterwachsen
Ausreißen ist die effizienteste Methode, der Wurzelballen muss vor Ort abgeklopft werden.
Kontrolle und Maßnahmen über mehrere Jahre, bis der Bestand erloschen ist
Vor Fruchtreife abgeschnittene, ausgerissene Pflanzen können kompostiert werden
Reifende und bereits samentragende Pflanzen müssen fachgerecht entsorgt werden (Heißkompostierung)
Achtung beim Transport - nur gut verpackt
Foto: Hans Pixabay
Einjähriges Berufkraut, Feinstrahl
Das Kanadische Berufkraut stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt.
Heute ist die stark invasive Pflanze extrem weit verbreitet und ist ökologisch problematisch, da es viele heimische Pflanzen verdrängt. Eine Pflanze kann zwischen 10.000 und 50.000 Samen ausbilden, aus einer Pflanze können rasch große Bestände werden. Die Pflanze ist nicht giftig, trotzdem wird sie von Vieh gemieden, auch mit den Pflanzen durchsetztes Heu oder Silage wird vom Vieh verschmäht.
Probleme:
Stark invasive Pflanze (10000 - 50000 Samen pro Pflanze)
wird durch den Klimawandel begünstigt, da sie neue Habitate erschließen kann
Resistent gegen Trockenheit & Herbizide
Wächst schnell auf Ruderalstandorten wie z. B. Brachflächen, Straßenrändern, Bahngleisen und breitet sich von dort aus.
Problem für die Landwirtschaft, wird vom Vieh nicht gefressen, Ausbreitung auf Ackerflächen
Kontrolle und Bekämpfung
Manuelles Ausreißen vor der Samenreife
Nicht blühende Pflanzen - Kompost oder Biotonne
Achtung! Samen können lange nachreifen, daher
Blühende und samentragende Pflanzen nicht kompostieren, sondern gut verpackt über den Restmüll entsorgen
Mulchen oder tiefes Umgraben verhindert erneutes Wachstum
Frühzeitiges Mähen reduziert die Samenbildung
Oft Mähen, da die Pflanzen erneute austreiben und Blüten bilden.
Staudenknöterich (Japan, Sachalin u. Bastard)
Sowohl der Japan-Staudenknöterich als auch der Sachalin-Staudenknöterich kamen als Zierpflanze nach Europa, der Bastard-Staudenknöterich ist in Europa aus diesen Arten entstanden.
Die sehr anpassungsfähige Pflanze wächst sowohl auf Böden mit guter Wasserversorgung als auch auf trockenen Standorten, an Gewässerufern genauso wie auf Straßen- und Bahnböschungen, Schlagfluren, Deponien usw.
Die Ausbreitung erfolgt über Ausläufer, dies führt schnell zu dichten Beständen, Materialtransporte mit kontaminierten Bodenmaterial, Früchte und Samen, Auspflanzungen und nicht sachgerecht entsorgte Gartenabfälle.
Probleme:
Enorme Regenerationsfähigkeit! Alle 3 Arten besitzen einen mächtigen Wurzelstock der 2/3 der Trockenmasse der Pflanze ausmacht.
Die Ausbreitung erfolgt über Ausläufer, teilweise durch Samen
Verbreitung auch durch abgerissene oder nicht fachgerecht entsorgte Pflanzenteile
Kleinste Ausläuferteile in Erdmaterial können neue Bestände begründen
Durch die sich schnell bildenden Bestände und die enorme Wuchskraft werden heimische Arten verdrängt
Wurzelausläufer dringen bis in 4 m Tiefe, mehrere Meter seitlich vor und dringen in kleinste Ritzen ein und richten dann durch das Dickenwachstum massive Schäden an Gebäuden, Uferbefestigungen, Straßen und Gleisanlagen an.
Maßnahmen und Bekämpfung:
Großflächige und etablierte Bestände sind nur sehr aufwändig kontrollierbar und oft nicht mehr vollständig zu entfernen.
Sofort im Pionierstadien und bei kleinflächigen Beständen eingreifen!
Einzelpflanzen und kleine Bestände ausgraben, Wiederaustriebe solange nachbehandeln, bis der Bestand erloschen ist.
Großflächige Vorkommen zur Verhinderung der weiteren Ausdehnung 6 - 8 mal im Jahr mähen.
Vor der Fruchtreife abgeschnittenes Material kann ohne weitere Maßnahmen kompostiert werden.
Reifende oder bereits reife Früchte und Samen müssen einer Heißkompostierung zugeführt werden.
Bodenaushub ist in jedem Fall fachgerecht zu entsorgen
Foto: Hoerwin56 pixabay
Riesenbärenklau
Die Heimat des Riesenbärenklau ist die Gebirgsregion des Kaukasus und kam als Zierpflanze in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Europa und breite sich mittlerweile stark aus.
Er bevorzugt gut wasserversorgte, nährstoffreiche Standorte in Gewässernähe oder Gewässerufer, ist aber auch an Straßen und Bahnböschungen, Wiesen, Ruderalstandorten, Deponien und Schlagfluren zu finden.
Die Ausbreitung: erfolgt über Samen, bis zu 50.000 pro Pflanze, die durch Wasser, Mensch Materialtransporte, Aussaat, Gartenabfälle etc. verbreitet werden. Er ist relativ kurzlebig und stirbt nach Bildung des Blütenstandes, in der Regel im zweiten Jahr nach der Keimung, vollständig ab. Ausbreitung und Vermehrung erfolgen ausschließlich durch Samen, die bis zu 15 Jahre keimfähig bleiben und auch einige Tage schwimmfähig sind. In 1 m² Boden können sich bis zu 12.000 Samen befinden. Seine Bekämpfung wird durch diese enorm hohe Samenproduktion sowie durch die gute Regenerationsfähigkeit erschwert.
Der Riesen-Bärenklau ist auf der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung gemäß der Verordnung Nr. 1143/2014 aufgeführt.
Probleme:
Bei Berührung und Sonneneinstrahlung können sich nach 24-48 Stunden schwere Hautentzündungen mit starker Blasenbildung entwickeln.
Die Verbrennungen heilen nur langsam ab -Hautkontakt mit dem Pflanzensaft unbedingt zu meiden!
Auch für Tiere giftig
Gesundheitliche Folgen und Management verursachen massive ökonomische Kosten!
Erhöhte Erosionsgefahr an Gewässerufern
Verdrängung heimischer Arten bei Dominanzbeständen durch Abschirmung des Sonnenlichts
Maßnahmen und Bekämpfung:
Entfernen vor Samenbildung, die Samen besitzen ein sehr hohes Keimvermögen, das etwa 8-10 Jahre erhalten bleibt.
Ausstechen, möglichst früh im Jahr in 5 - 20 cm Tiefe, aus dem Wurzelstockbereich regeneriert sich die Pflanze wieder bei z. B, Mahd
Vorsicht beim Hantieren, Schutzausrüstung verwenden!
Standorte müssen jährlich über mindesten 8 Jahre genau kontrolliert werden.
Vor Fruchtreife abgeschnittenes Material kann kompostiert werden
Fruchtstände mit reifenden oder reifen Samen gut verpacken und der Heißkompostierung zuführen
Foto: ariesa66 pixabay
Rageweed / Ambrosia
Aus Nordamerkia stammend, wurde es mit Vogelfutter und Samen in Topfballen von Zierpflanzen nach Europa eingeschleppt. Einjährige, bis zu 3 m hohe Pflanze, die sich über tausende von Samen pro Pflanze, die bis zu 40 Jahre keimfähig bleiben, sehr schnell verbreitet.
Rageweed bevorzugt gestörte, feuchte und nährstoffreiche Böden (z. B. Straßenränder, Uferböschungen, Kiesgruben, Deponien, Lager- und Ackerflächen). Massenbestände vor allem in bestimmten landwirtschaftlichen Kulturen und entlang des Verkehrswegenetzes.
Aufgrund der Höhenlage und der klimatischen Verhältnisse ist es in unserer Region noch kaum verbreitet. Besonders an Vogelfutterstellen regelmäßig kontrollieren und eventuell dadurch eingeschleppte Pflanzen sofort zu entfernen.
Probleme:
Erhebliche Veränderung der heimischen Flora durch Verdrängung angestammter Arten
Pollen (bis zu mehrere Milliarden Pollenkörner pro Pflanze) verursachen allergische Reaktionen der Augen und Atemwege, auch Hautirritationen – und in der Folge Asthma.
Pollenbelastung bis November. B<
ewirtschaftung landwirtschaftlicher Kulturen wird erheblich erschwert.
Maßnahmen und Bekämpfung:
Aufgrund der starken allergische Relevanz wird das Arbeiten mit Handschuhen, und – bes. ab der Blütezeit – mit Schutzbrille und Staubmaske (FFP2) empfohlen.
Verschleppung von Samen durch Maschinen oder Erdreich verhindern!
Vermeidung offener Böden!
Einzelpflanzen: Ausreißen vor der Blüte
Größere Bestände - mehrmals jährlich mähen, kurz vor der Blüte beginnen
Vor der Blüte ausgerissene Pflanzen können kompostiert werden
Blühende Pflanzen der Heißkompostierung zuführen
Maschinen und Geräte gründlich reinigen
Befallenes Erdreich nicht anderswo ausbringen
Bild von Goran Horvat auf Pixabay
Ursprünglich in NOrdamerika beheimatet wurde die Pflanze Im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa gebracht. Sie neigt stark zum Verwildern und wächst abgesehen von Gärten bevorzugt an Böschungen von Straßen und Eisenbahnen, an Waldrändern und auf Lichtungen. Eine Pflanze kann bis zu 2000 Samen bilden und vermehrt sich zusätzlich durch Wurzelausläufer: So bildet sie rasch dichte Bestände und verdrängt heimische Arten.
Probleme:
Dichte Bestände verdrängen heimische Arten
Stickstoffsammler, daher verändert sich die Vegetation,
Wiesenbrüter verlieren Lebensraum
Heuqualität wird gemindert durch die Bitterstoffe der Lupinie
Maßnahmen und Bekämpfung
Verhinderung der (un)absichtlichen Ausbreitung
Im Garten nur sterile Sorten verwenden!
Belastetes Erdreich nicht an anderer Stelle ausbringen
Gründliche Reinigung und Gerätschaften, Schuhen usw.
Fruchtstände abschneiden um Samenbildung zu verhindern
Ausreißen bzw. ausstechen und alle Rhizome entfernen
Größere Bestände Mahd zur Hauptblüte und mehrmals dannach
Die aus Nordamerika stammende Pflanze wurde als Zier- und Nutzpflanze nach Europa gebracht.
Die Verbreitung erfolgt über Samen (bis zu 20.000 pro Pflanze), Ausläufer, selbst kleinste Rhizome bilden neue Pflanzen. Trockenheit und Hitze verträgt die Pfanze gut und gedeiht daher an Böschungen, landwirtschaftliche Brachen, Ruderalstandorte, Schottergruben, Schlagfluren, Austandorte, Saumgesellschaften und Magerrasen sehr gut, besiedelt aber auch Flussläufe und Auen
Probleme:
Durch effektive Rhizome bilden sowohl die Kanadische als auch die Riesen-Goldrute schnell dichte Bestände (über 300 Sprossen/m²
Massenhaft flugfähige Samen - bis zu 20.000 pro Pfanze!
Besiedelt sehr unterschiedliche Standorte, nass, trocken ,nährstoffarm, nährstoffreich
Die Riesen-Goldrute bevorzugt feuchte Standorte
Massenbestände verdrängen heimische Arten
Die Pflanze bildet chemische Stoffe, die das Wachstum anderer Pflanzen unterdrücken
Maßnahmen und Bekämpfung
Einzelpflanzen, kleinflächige oder lockere Bestände werden ausgerissen.
Möglichst viele unterirdische Teile entfernen
Großflächige Bestände werden gemäht
Mindestens 2 Schnitte im Jahr über mehrere Jahre
Mahd vor Blühbeginn um Samenproduktion zu verringern
Oberirdisches nicht blühendes oder samentragendes Material kann kompostiert werden
Ab der Blüte und unterirdisches Pflanzenmaterial muss der Heißkompostierung zugeführt werden.
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